Sumpfohreulen 2019

Herzlich Willkommen zur Sumpfohreulenstory 2019!

In diesem Jahr, dem wohl erfolgreichsten für diese Eulenart seit langem, gab es sehr viele Highlights und Momente, die ich nie zuvor so erleben durfte. Vielen Dank für das rege Interesse an dieser Dokumentation.

Ich wünsche viel Freude beim Betrachten und grüße aus Nordfriesland, Jürgen Knöpfel!

Die diesjährige Bildergeschichte möchte ich als Ergänzung zur Saison 2018 zeigen. Um Wiederholungen zu vermeiden zeige ich daher die in dieser Saison vielen neu gewonnen Eindrücke und Erfahrungen und weise darauf hin, dass alle Bilder und Angaben sich nur auf dieses Gebiet beziehen und nur meine Beobachtungen zu Grunde liegen. 

In jedem Frühjahr bin ich gespannt, wo mich die erste Sichtung meiner Lieblingsart erfreut. Zwar leben sie ganzjährig hier im Bereich unserer Küsten und auf den vorgelagerten Inseln, aber seit mindestens 6 Jahren bevorzugen sie diese reizvolle Mischlandschaft aus ext. genutzten Weiden und Stilllegungsflächen mit vielen Schilfgräben zu Balz und Brutzeit. 

Bereits im letzten Jahr konnte ich zwei Paare in einem Gebiet dokumentieren, aber in diesem Jahr war ich sehr erstaunt, denn es waren sogar 7 Brutpaare und die Bruterfolge mit mindestens 15 dokumentierten, vermutlich aber mehr als 20 Jungvögeln, begeistern! 

Erstmals sind auch in anderen Bereichen Schleswig-Holsteins und Niedersachsens viele Bruten gemeldet worden, was dieses Jahr zum wohl erfolgreichsten der letzten 16 Jahre macht. Durch die Häufigkeit der Bruten fanden einige auch nahe der Wirtschaftswege statt, so dass in diesem Jahr erheblich bessere Aufnahmen vom Fütterverhalten und Jungvögeln möglich waren, denn alle Bilder werden und wurden nur vom Auto aus gemacht, ohne die Flächen zu betreten, um Störungen zu vermeiden. 


Um das Verhalten möglichst umfassend darzustellen ist es unumgänglich auch Bilder zu zeigen, die keine besondere Qualität aufweisen, da Lichtverhältnisse und Entfernungen nicht immer optimal sind. Sämtliche Aufnahmen sind in diesem Gebiet von April bis August entstanden.

Altvogelportraits

Männchen

Männchen und Weibchen sind zwar nahezu gleich in Federkleid und Körpergröße, aber die Geschlechter sind dennoch unterschiedlich intensiv gefärbt, wobei die Weibchen insgesamt etwas dunkler mit Braun und Orangetönen gefärbt sind und die Männchen etwas heller. Sehr deutlich sichtbar wird das während dem Flug an der Unterseite der Flügel. Akustisch rufen die Weibchen ein ch...iiiiiiep, was sehr weit hörbar ist und die Männchen ein ziemlich leises WuWuWuWuWuWuWuWu. Beide setzten diese Rufe zur Reviermarkierung und zum gegenseitigen Heranrufen, wie z. B. zur Futterübergabe ein. Beim Männchen schwillt dabei der Kropfbereich an und bewegt sich in Wallungen während die Weibchen mit weit offenem Schnabel rufen (s. letzte Bilder).

Weibchen

Paarung

Eines der vielen Highlights der Saison war für mich, die erste Paarung dokumentieren zu können. Bemerkt habe ich zwar schon im letzten Jahr einmal eine Kopulation, aber durch zu hohes Gras entstanden keine Bilder. Hier ist auch der Farbunterschied zwischen den Geschlechtern sichtbar. 

Klare Rollenverteilung ... zumindest meistens!

Die Weibchen sind nach den ersten Wochen der Balz und Paarung nur sehr selten zu sehen. Auch in den ersten 3 Wochen nach dem Schlüpfen sieht man sie nicht oft, da sie die vom Männchen gelieferten Mäuse an die Jungen verfüttern und die Küken bei kühlem Wetter, vor allem bei Regen schützen. Sind die Jungen dann älter und selbständiger, wird ihr Einsatz immer seltener. Allerdings steht zu vermuten, dass sie nachts an der Jagd teilnehmen. Dies gilt wohl besonders für Paare mit vielen Küken, wie in einem Fall mit 7 flüggen Jungvögeln. Dass die Paare aber perfekt zusammen arbeiten und dass Aufgaben gelegentlich auch geteilt werden, sah ich auch bei der Revierverteidigung, bei der die Weibchen mit aufstiegen, wenn z. B. Rohrweihen das Gebiet überfliegen wollten.

(rufendes Weibchen)

Die Hauptbeschäftigung der Männchen besteht aus Jagd und Revierverteidigung. Gerade letzteres war in diesem Jahr sehr eindrucksvoll zu bewundern. Die sonst zahlreichen Bussarde hatten monatelang keinen "Zutritt" und hielten sich weit entfernt auf. Die Weihen kamen zwar immer mal in die Nähe, direkte Überflüge zur Nestzeit gab es aber keine. Erst jetzt, da die Jungen bereits gut fliegen können und durch die Größe und Wehrhaftigkeit nicht mehr als Beute in Frage kommen, lassen die Altvögel dies wieder zu. Das besondere Highlight hier war jedoch die Vertreibung eines Seeadlers, der sich mitten im Gebiet auf einen Pfosten gesetzt hatte.

Vor der Beutejagd … Gefiederpflege und Gymnastik!

Bevor die Jagd beginnt, erfolgt ausgiebige Gefiederpflege, was mit dem gründlichen Durchschütteln zumeist seinen Abschluss findet. Besonders in den frühen Morgenstunden, aber auch wenn die abendliche Jagd beginnt, sitzen die Männchen auf ihrem Lieblingspfosten und zupfen sich die Federn zum Teil über eine halbe Stunde lang. Häufig gibt es dann noch ein intensives Stretching, was sehr ansprechende Posen bietet.

Es hat etwas magisches, sich  einem so herrlichen Wildtier Auge in Auge über längere Zeit auf nur wenige Meter gegenüber zu wissen. Gerade in diesem Punkt unterscheiden sich Eulen von allen anderen Greifvögeln, die schon bei größeren Entfernungen die Flucht ergreifen. Ich habe mich schon oft gefragt, warum das so ist, aber schon in der griechischen Mythologie sind es ja die Eulen, die besondere Aufmerksamkeit genießen. 

Ich bleibe am Ball und bin gespannt, was die Zukunft mir an Hinweisen gibt.

Und dann geht´s los ...

Startaufnahmen zählen für mich zu den reizvollsten Momenten, die durch das Gefiederschütteln quasi angekündigt werden ...

… zumindest meistens. Dennoch muss man innerhalb einer Sekunde reagieren, sonst ist sie halt weg und die Anspannung der letzten Minuten war umsonst. Im günstigsten Fall erwischt man das erste Anheben der Flügel

(s. Bild 6) und kann sich dann bei einer schnellen Kamera die besten Folgeposen auswählen, sofern die Schärfeebene stimmt. Darüber hinaus kann man an den gut sichtbaren Unterseiten der Schwingen sehr schön individuelle Zeichnungen des Gefieders erkennen, was an der Oberseite wesentlich schwieriger, oder zumeist gar nicht möglich ist.

… zur Mäusejagd!

Sumpfohreulen sind sehr kräftige und ausdauernde Flieger. Suchflüge können durchaus 10 - 15 Minuten dauern, die Regel ist aber erheblich kürzer, besonders bei hohem Mäusebestand. Dabei fliegen sie meist in Höhen bis etwa 3 Meter und verfallen in einen Rüttelflug, sobald sich am Boden etwas regt, oder schlagen sofort zu. Mit feinem Gehör, dass durch die wie ein Schalltrichter geformte Gesichtsbefiederung unterstützt wird, nehmen sie feinste Geräusche im zum Teil sehr hoch gewachsenen Gras wahr und können die Maus schlagen, ohne sie vorher sehen zu müssen. Eine Eigenschaft, die die meisten Eulen besitzen. Möglicherweise ist das der Unterschied gegenüber anderen Greifvögeln, der die Effektivität der Eulen bei der Jagd so bemerkenswert steigert.

Natürlich brauchen die Altvögel auch ihre Mäuse , denn nur wenn sie topfit sind, können sie die Anstrengungen der Jungenaufzucht bewältigen. 

Ein Jagderfolg reiht sich an den nächsten … wenn´s gut läuft!

Einen erfolgreichen Jagdflug zu dokumentieren ist von sehr vielen verschiedenen Faktoren und nicht zuletzt vom erfolgreichen Schlagen der Beute abhängig.  Zwar gab es sehr viele Beobachtungen, doch oft finden diese außerhalb der "Reichweite" der Objektive und meistens in hohem Gras statt, ohne Chance auf ein Bild. Aber auch die Technik muss in solchen Momenten schnell und sauber funktionieren. Diese Bilder hatte ich mir lange gewünscht! Was mich auch immer wieder beeindruckt, ist die häufig sehr geringe Entfernung beim Rütteln über der Beute, denn die Mäuse hören ja trotz der nur 40 cm Höhe der Eule offensichtlich nichts. 

Ebenso wie Reiher, wissen auch die Eulen, dass es in der Nähe von trampelnden Kühen ziemlich erfolgreich sein kann, da die Beute aufgeschreckt wird und sich vermeintlich in Sicherheit bringen will. Der verdutzte Blick der Kuh war aber schon köstlich, denn die Eule hatte sie auf ihrer rechten Seite umrundet.

Oft liefert "Er" innerhalb einer Minute, sogar zwei Mäuse ab oder deponiert sie in der Nähe des Nestes. Die hohen Zahlen an Jungvögeln stehen mit ziemlicher Sicherheit im Zusammenhang mit einer außerordentlich hohen Wühlmauspopulation, der Hauptnahrung der Sumpfohreule. Und tatsächlich sah ich in all den Jahren bis heute keine andere Beute als Mäuse. Dennoch werden sie gelegentlich, sogar mit Beute, von den Gebietsnachbarn, wie Uferschnepfen, Kiebitze und Kleinvögeln angegriffen, wenn sie der jeweiligen Brut beim Überflug zu nahe kommen.

Wie auf dieser Aufnahme zu sehen ist, sind große Mäuse, wie diese ausgewachsene Schermaus, durchaus wehrhaft. Zwar hatte sie wohl keine wirkliche Chance gegen die kräftigen Fänge der Eule, aber dieses Exemplar hat die Eule im Todeskampf tatsächlich verletzt.  Nie zuvor erlebte ich etwas derartiges.

Im Laufe der besonders für die Männchen sehr anstrengenden Balz- und Brutzeit, sowie der Aufzuchtphase der Jungen wird das Gefieder sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Die feinen schieren Kanten sind bei diesem Männchen nicht mehr zu sehen und die Federn sind durch vermutlich viele Tausend Flugkilometer und Kämpfe mit Beutetieren und Artgenossen schon ziemlich ausgefranst.  Aber er hatte auch am allermeisten zu tun mit

7 hungrigen Schnäbeln. Ich kann mir nicht helfen, aber er wirkt auch ein wenig urlaubsreif - oder? 

Sein Fleiß hinterlässt nicht nur am Gefieder Spuren.

Die vielen erbeuteten Mäuse färben auch seine Fänge zuweilen eindeutig.

Fütterung der Jungvögel

Der Transport der Mäuse erfolgt zum Nest in den Fängen. Kurz vor der Übergabe nimmt "Er" dann die Maus in den Schnabel und beginnt einen langsamen Sinkflug mit rüttelnden Flügelschlägen, um die Maus sanft und punktgenau zu übergeben. Während Brut und Nestlingszeit an das Weibchen, später dann auch direkt an die Jungen, sobald sie die Nahrung zerkleinern können. Sämtliche Aufnahmen von Jungvögeln und Fütterung sind erst in diesem Jahr möglich geworden, da sie an den Wegen ihre Nester eingerichtet hatten. Aber auch in diesem Jahr registrierte ich keinen Nestbau, da sie nicht wie andere Vögel beim Sammeln von Nistmaterial beobachtet werden können. Sie wählen einen Punkt in der Wiese, oder an einem Graben aus und erst wenn das Männchen die ersten Mäuse an eine Stelle liefert und sich das wiederholt,  kann man davon ausgehen, die Stelle gefunden zu haben. Insgesamt geht es in der frühen Brutphase sehr still und leise zu, so dass man schon sehr aufmerksam beobachten muss und nur mit zeitintensivem Einsatz kommt man zum Erfolg.  

Der Rüttelsinkflug bietet gute Möglichkeiten für informative Bilder. Da die Geschwindigkeit so angenehm niedrig ist hat auch die Kameratechnik nicht so anspruchsvolle Fokussierleistungen zu erbringen. Siehe Galerie weiter unten!

Diese Beuteübergabe habe ich bereits am 9. April, also mehr als 2 Monate vor den folgenden (14.Juni) aufgenommen, was belegt, dass schon im  April mit Jungen gerechnet werden muss. Dieses Bild zeigt sehr schön die intensiv gefärbte Unterseite der Schwingen dieses Weibchens.

Etwa 3 Wochen nach dem Schlüpfen der Jungen beginnt das Männchen zunehmend damit, die Beute in der Nähe der Nester an das Weibchen zu übergeben. Dazu landet er auf dem Boden, ruft des Weibchen und schwenkt in einem etwa 90° Winkel mit der Beute.  Siehe nächstes Bild.

Dieses Verhalten war nur sichtbar, da die das Nest umgebende Fläche gemäht war. Ein Glücksfall für alle Beteiligten, denn die Eulen hatten im verbliebenen hohen Gras die Deckung, die sie für die Aufzucht der Jungen brauchten und ich kam zu Bildern, die ich nie vorher sah.

Beuteübergabe!

Auch hier ist der Farbunterschied zwischen den Geschlechtern gut sichtbar.

 

Und los geht´s zu den Kleinen!

Die drei hungrigen Schnäbel warten schon auf die Mama im hohen Gras - nur die Köpfe sind zu sehen. Das Nest, das sich etwa 5 m weiter rechts befindet, wird schon in der 3. Woche fleißig verlassen. 

Mit zunehmender Größe der Jungen und fortschreitender Selbständigkeit, fliegt der Vater die Jungen direkt an und übergibt die Beute. Die Weibchen, das traf für alle Bruten zu, sind dann nur noch sehr selten zu sehen und der Vater führte die Fütterung, zumindest tagsüber,  alleine durch.

Und wieder gibt´s ´nen dicken Happen. Bei der idealen Versorgungslage mit Beutetieren, steht einer guten Entwicklung vieler Jungvögel nichts im Wege. Die diesjährigen, höheren Zahlen an Brutpaaren zeigen auch, dass die Eulen diese Tatsache sowohl quantitativ, als auch geographisch sehr genau einschätzen können. 

Jungvögel

Beobachten aber keinesfalls stören!

Dies ist mir seit Beginn meiner Eulendokumentationen sehr wichtig und bedeutet: 

- Kein Aussteigen aus dem Auto

- Kein Betreten der Flächen

- Keine Nestfotografie

Dies hatte natürlich auch zur Folge, dass ich bisher erst einmal vor mehreren Jahren 2 Jungvögel, die bereits im 2. Dunenkleid und schon flügge waren, auf nur relativ große Entfernung fotografieren konnte und sonst keine Aufnahmen von Jungeulen entstanden sind. Dies sollte sich in diesem Jahr durch die hohe Anzahl an Brutpaaren ändern, da gleich 3 Bruten an den Wirtschaftswegen in Reichweite der Objektive stattfanden. Dazu zählte auch die Brut mit den meisten,  insgesamt 7 Jungvögeln.

Erste Sichtung

Der erste verstohlene Blick an Mama´s linker Schulter vorbei direkt in die Kamera hat mich außerordentlich gefreut. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir in kühnsten Träumen nicht vorstellen können, was für tolle Erlebnisse ich in diesem Jahr mit Jungeulen haben sollte.

Entwicklungsstadien der Jungvögel

Bereits nach knapp 3 Wochen sind die Nestflüchter schon unterwegs. Erste kleine Hüpfer unterbrechen den noch sehr wackeligen Gang über die Mahdfläche. Immer öfter werden sie dann an den jeweiligen Aufenthaltspunkten gefüttert. 

Wieder ein paar Tage älter, wandern sie munter durch die Flächen.

Die markante, dunkle Gesichtsbe-fiederung verlieren sie zunehmend und bereits im sogenannten 2. Dunenkleid bekommen sie hellere Gesichter. Ab diesem Zeitpunkt werden sie flügge und die kleinen Hüpfer werden immer länger.

Aufnahme 10.07.19

Bei diesem Vogel handelt es sich um einen der beiden aus dem vorigen Bild, nur 3 Tage später, am 13.07.19. Was mich auch immer wieder beeindruckt, sind die Ausdrücke in den Gesichtern, die die Vögel sehr unterschiedlich aussehen lassen.

Dieses Bild eines Jungvogels, einer anderen Familie ist am 12.07.19 entstanden und zeigt sehr deutlich, dass diese Brut etwa 2 Wochen früher begonnen haben muß. Dieser kleine Fratz hat schon eine fast vollständige Befiederung, während bei den oben gezeigten noch die Schwungfedern wachsen.  Siehe auch nächstes Bild.

Auf diesem Bild ist der Entwicklungs-unterschied am deutlichsten zu sehen, da es auch am 12.07.19 entstand. Die noch unvollständige Befiederung ist gut zu erkennen.

Der aber mit Abstand am weitesten entwickelte Jungvogel ist auf diesem Bild vom 17.06.19 zu sehen. Bereits voll mit Schwungfedern ausgestattet, konnte er bereits Mitte Juni kleine Strecken bis etwa 60 m fliegen.

Mitte Juli sind Jungvögel einiger Bruten im Flug kaum noch von den Altvögeln zu unterscheiden und der Abschied von dem Familienverband rückt näher.

Aufnahme vom 17.07.19.

Häufig sitzen sie, gut getarnt, in den die Wirtschaftswege angrenzenden Gräben. Nur einmal habe ich alle

7 Jungvögel dieser Brut auf einmal gesehen, da sie verteilt im Gelände entweder alleine oder mit einem Geschwister sich aufhalten. 

Nestschutz während der Mahd

Durch die hohe Zahl an Brutpaaren und die Tatsache, dass mehrere Bruten an den Wegen stattfanden, gelang es mir in diesem Frühjahr erstmals durch intensive Beobachtungen die Brutnester zu lokalisieren. Die Landwirte konnten daraufhin die Nester bei der Mahd schonen. Drei Nester waren potentiell gefährdet, aber die Bruten verliefen durch die Schutzmaßnahmen mit insgesamt 12 flüggen Jungvögeln sehr erfolgreich. Der Stab wurde vom Landwirt aufgestellt, um bei der Mahd in sicherer Entfernung zum Nest zu bleiben.

Revierverteidigung

gegen Artgenossen

Dass eine revierfremde Eule über ein Revier fliegt, ist sozusagen ein "NO GO" und so fanden gerade in dieser Brutsaison sehr viele Auseinandersetzungen an den doch eng gesteckten Grenzen der Reviere statt. Besonders diese beiden schenkten sich nichts.    

gegen andere Greifvögel und unerwünschte Schmarotzer

Auch der Seeadler ist ein echtes "No Go" im Revier der Eulen. Dieses spannende Erlebnis fand leider sehr früh morgens und in ziemlicher Entfernung statt. Es dauerte gut 30 Minuten, bis der mächtige Greif den nicht endenden Attacken von Sumpfohreule, Krähe und Kiebitz nachgab. Dabei nahm er die Eule als einzige richtig ernst, da sie die erbittertsten Angriffe aus allen Richtungen, teilweise sehr flach und sehr dicht flog. Schließlich strich er ab.  

Zunächst sah es nach einer Revierverteidigung aus, doch bei der zweiten Beobachtung sah ich, dass die Krähe aus etwa 200 m die Eule anflog, die gerade die Maus in Richtung Nest brachte, um sie ihr abzujagen. Das Spielchen hatte ich so auch noch nie erlebt, aber die Eule ließ das in keinem Fall zu und machte der Krähe unmissverständlich klar, dass sie sich ihr Frühstück woanders suchen sollte.

Krähen wurden als potenzielle Gelegeplünderer, sobald sie in Nestnähe kamen, mit gutem Grund sofort attackiert, aber auch später, als die Jungen schon größer waren, gab es reichlich Zoff. Dann aber wegen der Beute, auf die die schwarzen Gesellen scharf waren.

Nahrungskonkurrenten

In dieser Saison bin ich auf gut 80 Mäusefresser gekommen, die ja jeden Tag mehrere der kleinen Nager benötigen. Überschlägig gerechnet, würde das bedeuten, dass gut 30000 Mäuse in den 4 Monaten verzehrt werden - Wahnsinn. 

Eine Viehweide ohne Graureiher ist hier bei uns kaum zu finden. Meistens sind sogar 4 oder 5 Exemplare zwischen den Weidetieren, um aufgeschreckte Mäuse zu erbeuten. Insgesamt sind es gut 20 Reiher, die sich ebenfalls an den Mäusen laben. 

Mäusebussarde sind bis August aus dem Gebiet gänzlich verbannt. Sie halten sich an den Rändern auf und kommen dort auch über die Runden.

Kleinvögel jagt die Wiesenweihe hier zwar am liebsten, aber Mäuse gehen natürlich auch. Das gefällt weder der Sumpfohreule, noch dem Turmfalken.

Rohrweihen sind nicht nur Nahrungskonkur-renten, sondern auch in den ersten Wochen sehr gefährlich für die Küken. Sie schlagen praktisch alles bis zum Junghasen, was ich schon fotografieren konnte.

Was sich der junge Turmfalke von diesem Scheinangriff wohl versprach? Die Eule (verschwommen im Vordergrund) hat es nicht tangiert. Er landete dann, ein wenig grimmig schauend, auf dem Erdhügel. Hier im Koog ernährt er sich hauptsächlich von Mäusen, aber Kleinvögel müssen auch auf der Hut sein.

Natürlich sind auch Wiesel am Mäusebankett beteiligt. Hier ist es gerade dabei, die Mauselöcher zu inspizieren.

Nicht zu vergessen - der Rotfuchs. Er ist als ebenfalls erfolgreicher Mäusejäger nicht nur Nahrungs-konkurrent, sondern auch ein nicht zu unterschätzen-der Feind für die Jungeulen.