Seit mehreren Jahren nehmen die Sumpfohreulen in jedem Frühjahr einen großen Teil meiner fotografischen Aktivitäten ein. Zwar sind sie praktisch das ganze Jahr über in Nordfriesland anzutreffen, Beobachtungen und Fotos sind durch häufige Standortveränderungen jedoch eher zufälliger Natur. Anfang April nehmen sie aber ihr Brutrevier ein und bieten dann für etwa 12 Wochen besondere Aktivitäten und viele Einblicke in ihr dann sehr territoriales Verhalten. Die Freude ist jedes Jahr groß, wenn ich sie in ihrem angestammten Brutgebiet das erste mal beobachte, aber in diesem Jahr stellte ich, zu meiner Überraschung nach den ersten Wochen fest, dass es diesmal sogar 2 Brutpaare sind. Nur etwa 400 m voneinander entfernt, teilen sie sich nun das in jedem Jahr auch von vielen anderen Bodenbrütern bevorzugte Areal.  

Die Protagonisten

Die beste Unterscheidungsmöglichkeit bietet meiner Ansicht nach der Vergleich der Befiederung, bei geöffneten Schwingen. Dies ist besonders beim Abflug schön zu sehen. Daher war ich an diesen Bildern besonders interessiert, als plötzlich klar war, dass in diesem Jahr 2 Paare im Gebiet sind. Die Weibchen fallen durch deutlich farbintensivere Zeichnung mit mehr Struktur an der Unterseite der Schwingen auf. Bild 1 + 2 Weibchen und Männchen des etwas nördlichen Brutpaares, Bild 3 + 4 Weibchen und Männchen des etwas südlicheren Brutpaares. Bei den Weibchen war die Unterscheidung insgesamt leichter als bei den Männchen, da die Strukturen sowohl am Körper, als auch an den Schwingen stärker variierten. Das nördliche Männchen fiel im Vergleich zum südlichen durch etwas dunklere Farben auf. Natürlich wüsste ich gerne genau, ob, bzw. welche der Eulen in den früheren Jahren bei uns brütete - aber das Geheimnis darf gerne eines bleiben!

Portait

Das Biotop

Die Lage des Brutgebietes ist natürlich maßgeblich an das Vorhandensein von ausreichend Nahrung - sprich Mäuse - gebunden. Durch die ausschließlich extensive, landwirtschaftliche Nutzung, bietet dieses abwechslungsreiche Biotop mit seinen Schilfgräben, Wiesen und Schafweiden alles was die Eulen brauchen. Die Lage ist zum Vergleich des Umlandes leicht erhöht, was zum schnelleren Abfluss der teilweise enormen Regenmengen führt, die gerade im diesjährigen März weite Teile des Kooges überschwemmten. Das ist für die Entwicklung der Mauspopulation von entscheidender Bedeutung.

Balzflüge

Die Paarbindung erfolgt u. a. mittels Balzflügen. Mehrfach beobachtete ich, das 2 Eulen aus großer Entfernung von etwa 1 km aufeinander zuflogen, sich verfolgten und Scheinattacken flogen, um dann wieder in kurze gemeinsame Segelflüge zu verfallen.

Revierabgrenzung - akustisch und optisch

Ihre Reviere grenzen Sumpfohreulen in den ersten Wochen immer wieder mit Rufen und Überflügen ab. Während Jagdflüge in Höhen bis zu etwa 5 m  durchgeführt werden, finden diese Revierflüge in Höhen von etwa 10 - 15 m statt. In dieser Zeit sind vor allem die Weibchen mit lauteren Einzeltönen, ähnlich einem "ch...iiiiiep", zu vernehmen, die sie oft in kurzer Entfernung vom geplanten Brutplatz von verschiedenen Warten aus häufig wiederholten (s. Bild 1+4+6), während von den Männchen ein dumpferes, leiseres "WuWuWuWuWuWu" zu hören ist. Dabei ist der Bereich des Kropfes mit Luft gefüllt (s. Bild 5). Die nur sehr kleinen Federohren sind meist nicht zu sehen, treten aber bei Erscheinen eines anderen Greifvogels sofort hervor. Die ebenfalls nur etwa 500 m entfernt brütenden Rohrweihen lösten das immer wieder aus (s. Bild 3). 

RevierKämpfe

Erstmals konnte ich in diesem Jahr einen Revierkampf, der zwischen den beiden Männchen ausgetragen wurde, dokumentieren. Ein zweites Aufeinandertreffen, fand leider zu weit entfernt statt. In beiden Fällen trafen sich die Kontrahenten an der vermutlichen Reviergrenze in etwa 15 m Höhe, verhakten sich mit den Klauen und gingen dann in kreisenden Bewegungen ähnlich einem Absturz zu Boden. Das Flügelgeprassel war sehr deutlich zu hören, aber beide flogen danach offensichtlich unverletzt wieder in das eigene Revier. Im Hintergrund schaute ein Reh der Szenerie genauso verdutzt zu wie ich. In den folgenden Wochen verlagerten sich die Jagdaktivitäten des nördlicheren Paares dann etwas nordöstlich und der Abstand zwischen beiden Paaren betrug danach

etwa 400 m.

Brutgeschäft

Dies ist hauptsächlich die Aufgabe des Weibchens, während das Männchen ständig mit der Jagd und Reviersicherung beschäftigt ist. Die erbeuteten Mäuse werden entweder sofort zum Weibchen gebracht, in Depots aufbewahrt, wenn viel Beute gemacht wurde, oder zum wartenden Jungvogel verbracht. In früheren Jahren hatte ich auch mal das Glück einen Jungvogel im 2. Dunenkleid zu fotografieren.  

Das Brutgeschäft an sich habe ich bewusst nicht dokumentiert, da dies nur möglich wäre, wenn man in die Flächen geht und die Tiere somit massiv stört. Darauf habe ich bisher verzichtet und will das auch so beibehalten. Das alljährliche Wiedererscheinen und die teilweise erstaunliche Vertrautheit zeigen mir, dass dies der richtigere Weg ist.

Ernährung und Beutejagd

Die Jagdflüge der vornehmlich jagenden Männchen finden meist in Höhen von 1 - 3 Metern gelegentlich aber auch darüber statt, um die blitzschnellen Nager zu sichten, bzw. zu hören und zu erlegen. Bestimmt wird wohl der ein oder andere Bodenbrüter, der ins Nahrungsspektrum passt auch geschlagen, aber in all den Jahren konnte ich nicht ein einziges mal beobachten, dass etwas anderes erbeutet wurde als Mäuse. Nach erfolgreicher Jagd liefert das Männchen die Beute beim Weibchen ab, dass dann auch mal die ein oder andere Maus selbst verspeiste (s. Bild 19 - 22). Im Bild 22 fällt während dem Zerteilen ein Stück (vermutlich Eingeweide der Maus) und bildet einen Schatten auf dem Pfosten.

Flugaufnahmen

Sumpfohreulen sind sehr aktive und kraftvolle Flieger mit einer enormen Ausdauer. Nur gelegentlich nutzen sie Gegenwinde

wie z.B. Bussarde oder Turmfalken. Vor allem aber sind sie im Gegensatz zu den meisten anderen, nachaktiven Eulen dämmerungs- und während der Brut sogar überwiegend tagaktiv. Sie suchen sehr konzentriert, fast schematisch, ihr Revier ab und rütteln (Flug auf der Stelle - wie Hubschrauber) immer wieder, wenn sie Beutebewegungen realisiert haben. Diese recht schaukeligen Jagdflüge mit den kraftraubenden Rütteleinlagen dauern durchaus 10 -15 Min. Interessant wird es, wenn sie in der Nähe z. B. auf einem Pfosten rasten. Oft putzen sie sich gerade morgens, vor der Jagd mit noch recht nassem Gefieder sehr ausgiebig. Das dauert auch gern mal bis zu 1/2 Stunde. Recken und Dehnen von Flügeln und Ständern (Füße) gehört auch dazu. Am Ende dieser Prozedur kommt es dann in der Regel zu einem kräftigen Gefiederschütteln (s. Bilder 22 - 27). Jetzt heißt es aber aufgepasst, weil der Start dann meist kurzfristig folgt. Dabei nimmt sie mit dem Stoß (Schwanz) ein klein wenig Schwung. Jetzt muß der Auslöser gedrückt sein, möglichst mitziehen und sie ist hoffentlich gut belichtet und mit ausreichend Schärfe im Kasten.